Predigt am 7. Sonntag der Osterzeit, 24. Mai 2020

Predigt am 7. Sonntag der Osterzeit, 24. Mai 2020


# Liturgisches Leben - St. Cäcilia
Veröffentlicht am Montag, 25. Mai 2020, 20:25 Uhr
© Sch

Joh 17,1-11

Gott erkennen?

Die Osterzeit in diesem Jahr werden wir sicher lange nicht vergessen: so anders ist alles geworden. Äußerlich hat sich wenig verändert in der Antoniuskirche.

In Michendorf schon – dort feiern wir die Gottesdienste zur Zeit im Pfarrsaal, der für die Messfeier hergerichtet wurde.

Aber die größte Veränderung ist doch eine innerliche. Die Osterzeit ist genauso still wie die Fastenzeit in diesem Jahr. Vielleicht gibt es hier eine Ähnlichkeit mit dem Judentum, das nach dem Osterfest die 50tägige Omerzeit kennt: das Omer-Zählen, das erst am Pfingstfest beendet wird und im heutigen Judentum eine stille Zeit ist, die dem Gedenken an die verschiedenen Prüfungen gewidmet ist, die Gott seinem Volk auferlegt hat.

Diese stille Osterzeit - sie mündet ein in diese letzte Woche vor Pfingsten, wo wir in der 1. Lesung hören, wie die Apostel sich mit Maria und den anderen Frauen und den Brüdern Jesu zurückziehen – in den Abendmahlssaal, in das Obergemach. Dort verharrten sie einmütig im Gebet.

Das Verharren. Das kennen wir nun alle. 2 Monate Schweige-Exerzitien. Oder 2 Monate Hausaufgaben für und mit den Kindern. Das hält nicht jeder aus.

Beim Omer-Zählen ist es etwas einfacher – und eben auch bei Exerzitien. Da weiß man, irgendwann ist Schluss. Dann sind die Tage rum. In unserer Situation ist aber alles von so vielen Faktoren abhängig, man weiß nicht, wie sich die Infektionszahlen entwickeln und muss weiter verharren. Ausharren.

Wenn Sie, liebe Familien, diese Zeit des Ausharrens einigermaßen gut überstanden haben, dann können Sie vielleicht das heutige Evangelium leichter verstehen, als in den früheren Jahren.

Es wird aus dem letzten Teil der Abschiedsreden Christi vorgelesen, der auch das „hohepriesterliche Gebet Jesu“ genannt wird. Es ist der theologisch dichteste und schwierigste Text des Johannesevangeliums – man versteht im Grunde kaum einen Satz auf Anhieb. Da geht es um Worte wie „Verherrlichung“, „die Welt“, „ewiges Leben“ und um „Erkennen“. Über das „Erkennen“ im Johannesevangelium – und überhaupt in der biblischen, antiken Sprache – möchte ich Ihnen etwas sagen:

Jesus sagt von sich, er ist in diese Welt gekommen, damit alle das ewige Leben haben. Und wie können sie das haben? Man muss keine Tablette nehmen oder einen kleinen Piekser aushalten. Sondern „den einzigen wahren Gott erkennen und den, den er gesandt hat: Jesus Christus.“

Sehen Sie – und schon sind Sie enttäuscht. Gott erkennen? Geht doch gar nicht.