Unsere Kirche lebt - nicht nur am Sonntag

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# Neuigkeiten - Pastoraler Raum
Veröffentlicht am Montag, 9. März 2020, 16:13 Uhr
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Rundreise des Pastoralausschuss durch die Orte kirchlichen Lebens

Am geschenkten Tag des Jahres, dem 29. Februar war für den Pastoralausschuss eine besondere Rundreise vorbereitet. Und wenn auch längst nicht jede/r sich diesen Tag freihalten konnte, so nahmen doch etwa 20 Menschen teil an der Rundreise des Pastoralausschuss durch die Orte kirchlichen Lebens im Pastoralen Raum Potsdam – Mittelmark.

In den regulären Sitzungen des Pastoralausschusses dreht sich vieles um Wahrnehmung und Perspektiven des Gemeindelebens. Und so war die einfache Zielsetzung der Reise, wenigstens einige Beispiele der vielen Orte kirchlichen Lebens ausführlich in den Blick zu nehmen, ihnen Wertschätzung zu zeigen und sie stärker an den Pastoralen Prozess anzubinden.

Begleitend zur Reise waren die Teilnehmer daher aufgerufen, die einzelnen Orte mit ihren sozialen,  ökonomischen und politischen Aspekten zu betrachten und aus ihren Beobachtungen zu folgern, wie wir Kirche im Pastoralen Raum sein wollen, um auf diese Herausforderungen zu reagieren.

In einer Morgenandacht gestärkt mit der Kraft des Heiligen Geistes begann der Tag im Malteser Hort der Katholischen Marienschule Potsdam. Die Mitarbeiterinnen erzählten vom Gesamtengagement des Malteser Hilfsdienstes in Potsdam, der von Hausnotruf bis zu Schulsanitätsdienst und eben Horterziehung reicht. Neugierige Menschen durchstreiften die großzügigen Räume des Hortes, lauschten den Berichten über kindliche Mitbestimmung, christliche Werteerziehung und Rückzugsräume für ruhebedürftige und gestresste Grundschulkinder. Zahlreiche Fragen bezeugten das Interesse der Gruppe; die lebendigen Antworten machten deutlich, wie sehr die Mitarbeiterinnen die Aufmerksamkeit für ihre Arbeit zu schätzen wussten.

Zügig wurde sich zur Weiterfahrt in den Bonibussen gesammelt und das nächste Ziel angesteuert, das Seniorenheim St. Franziskus in Trägerschaft der Alexianer. Zwar musste das Seniorenheim seine betagten Bewohner vor Ansteckung durch all die grassierenden Infekte schützen und konnte deswegen nicht durch das Haus führen; doch Frau Teichmann als Seelsorgerin des Hauses gelang es während eines einfachen Mittagessens in einem lebendigen Vortrag ganz hervorragend, die Herausforderungen und Besonderheiten des Hauses zu schildern. Sie betonte die Einbindung in christliche Rituale gerade am Ende des Lebens und schilderte die Dankbarkeit der Bewohner wie ihrer Angehörigen für den Geist der Nächstenliebe, der hier wirkt.

Die nächste Station setzte einen weiteren Kontrapunkt: Hochschul- und Stadtkirchenarbeit in der Hegelstraße lautete das Ziel. Die Hausherrin Eva Wawrzyniak schilderte insbesondere die Eigenart des Potsdamer Universitätslebens, das es den Studierenden schwer mache, mit ihrem Glauben nach außen zu gehen. Daraus ergäbe sich auch für sie als Begleitung der jungen Leute eine besondere Herausforderung; außerdem sei es in diesem Umfeld nicht leicht, das Angebot der Hochschulpastoral überhaupt bekannt zu machen. Ihr Standbein der Stadtkirchenarbeit rankt sich vornehmlich um die Propsteikirche St. Peter und Paul mit Kirchenwächtern und Kirchenführungen, ein ganz entscheidendes Fenster in die Welt, besuchen doch zahllose Touristen die Kirche.

Nun hieß es rasch in die Busse zu klettern; die Fahrt ging weiter, nun weit aus der Stadt hinaus nach Michendorf auf den Wolkenberg. Frau Eichholz, Leiterin des Hauses St. Norbert, eine Wohnstätte für geistig behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene, erwartete die Gruppe auf ihrem weitläufigen Gelände. Während eines Spaziergangs hin zur neuerbauten Tagesstruktur berichtete sie vom außergewöhnlichen Privileg ihrer Arbeit, vom hohen Engagement ihrer Mitarbeiter und vom Geschenk der Zuneigung der Bewohner. Etwa 12 Prozent der Gottesdienstbesucher von St. Cäcilia sind Bewohner des Hauses St. Norbert; eine großartige Bereicherung der Gemeinde, die sehr dankbar für die Chance der Inklusion ist und zugleich sehr froh, dass sie mit ihrer Kapelle Gast sein darf auf dem Gelände des Norberthauses. Die geistliche Betreuung der Bewohner im Alltag, aber auch die Begleitung etwa in Trauersituationen liegt mit Pater Jörg beim Träger, dem Deutschen Orden; doch für spontane Bedarfe steht unkompliziert immer wieder Pfarrer Karlson dem Haus mit seinen Bewohnern und Betreuern zur Verfügung. Zutiefst beeindruckt von den Möglichkeiten der neuen Gebäude und den weiteren Plänen, etwa dem Bau eines inklusiven Kindergartens ging die Gruppe weiter zur Schule am Norberthaus mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“.

Auch hier begrüßte mit Frau Ruffet eine hoch engagierte Schulleiterin, berichtete vom Alltag der Schule mit ihren 47 Schülern und deren sehr individuellen Bedarfen, beantwortete all die Fragen zu Lehrplan und Berufsaussichten ihrer Schützlinge. Wieder beeindruckten die hellen und fröhlichen Räume die Gruppe, die zugleich deutlich erkennen ließen, welche Herausforderungen diese Schule immer wieder meistert. Und obgleich der Nachmittag nun schon recht weit fortgeschritten war, hielt das Programm der Rundreise noch einen weiteren Tagesordnungspunkt im Ärmel: Am Fuße des Wolkenbergs beherbergt das Haus St. Georg in seinem Souterrain das kommunale Familienzentrum Michendorf in Trägerschaft der Caritas. Die Mitarbeiterinnen der verschiedenen Caritas - Beratungsdienste gaben Einblick in ihre Arbeit: Familienzentrum, Ehrenamtskoordination und Fachkraft für die Integration Geflüchteter, Schwangerenberatung und Erziehungsberatung haben Platz im Haus St. Georg. Auch die Dienste, die ihre Büros in der Babelsberger Plantagenstraße haben, stellten sich nun vor. Es wurde überdeutlich, welchen großen Anteil an den Sozialen Diensten in Potsdam und in Potsdam-Mittelmark die Caritas mit ihren Angeboten abdeckt.

Bei einer schnellen Tasse Kaffee resümierten die Teilnehmer abschließend den Tag: sie hielten zum einen die enorme Spannbreite fest, die die unterschiedlichen Orte kirchlichen Lebens in unserem Pastoralen Raum umfassen. An allen Kontrapunkten menschlichen Lebens setzen die sozialen Dienste unserer Kirche an und dienen den Menschen. Überrascht und wirklich beglückt waren die Teilnehmer von der nachhaltigen Erkenntnis, dass Kirche sich nicht allein niederschlägt in sinkenden Zahlen von Gottesdienstbesuchern. Nein, Kirche findet statt an all diesen Orten kirchlichen Lebens, Tag für Tag, mit hohem Engagement und großer Strahlkraft in die Welt.