1. Fastensonntag - Ein Interview mit dem Teufel

1. Fastensonntag - Ein Interview mit dem Teufel


# Kinder & Jugend - St. Cäcilia
Veröffentlicht am Dienstag, 3. März 2020, 21:26 Uhr
© Sch

Liebe Kinder, am Beginn des Gottesdienstes möchten wir euch wieder auf das Evangelium neugierig machen. Dazu haben wir für euch jemanden für ein Interview eingeladen, der im heutigen Evangelium eine ziemlich wichtige Rolle spielt, den Teufel. 

Reporter

Sehr geehrte Herr Teufel ... oder wie muss ich Sie ansprechen?

Teufel

Das ist mir eigentlich egal. Mir wurden schon viele Namen gegeben: Teufel, Schlange, Versucher, Satan, Fürst der Finsternis, Luzifer, Beelzebul oder Diabolos. Wir können aber der Einfachheit halber bei Teufel bleiben.

Reporter

Okay. Also sehr geehrter Herr Teufel! Es war gar nicht so einfach Sie zu finden und Sie für dieses Interview zu gewinnen. 

Teufel

Das müssen Sie entschuldigen. Aber ein Mindestmaß an Wahrung meiner Anonymität muss schon gewahrt sein.  

Reporter

Sie wollen also nicht erkannt werden.  

Teufel

Sehr richtig. Deshalb auch meine Bitte, dass wir durch diese durchscheinende Wand voneinander getrennt sitzen.  

Reporter

Ich muss zugeben, dass mich das etwas verwundert hat. Ich hatte eigentlich gedacht, dass Sie gerne im Rampenlicht stehen.  

Teufel

Nein, nicht wirklich. Ich agiere lieber im Hintergrund. Das erleichtert mir meine Arbeit ungemein. Die Leute sollen ruhig weiter glauben, dass ich Hörner, einen Pferdefuß und einen Schwanz habe.  

Reporter

Aber wenn ich das jetzt durch die Wand richtig erkenne, sehen sie ganz anders aus.  

Teufel

Können wir bitte das Thema wechseln? Ich denke meine Bitte, nicht über mein Aussehen zu sprechen, war deutlich genug.  

Reporter

Natürlich. Schließlich bin ich sehr froh, dass Sie überhaupt zu diesem Interview bereit sind. Kommen wir also gleich zur Sache. Wie war das nun damals mit Jesus in der Wüste? Sie sind Jesus erschienen und haben ihm einige Fragen gestellt?   

Teufel

Über mein Erscheinen möchte ich nicht reden, das hatte ich ja schon gesagt. Und was die Fragen angeht, muss ich sie korrigieren. Es waren keine Fragen. Es waren Aufforderungen.  

Reporter

Es stimmt also, dass sie Jesus aufforderten, aus den Steinen der Wüste Brot zu machen. Was wollten sie damit erreichen?  

Teufel

Jesus auf meine Seite zu bekommen. Was sonst? Das war schließlich mein ehrgeizigstes Projekt seit Menschheitsbeginn überhaupt. Stellen Sie sich einmal vor, ich hätte den Sohn Gottes auf meine Seite gekriegt; die Welt wäre heute eine andere. Deshalb habe ich alle Mittel eingesetzt, die ich zur Verfügung hatte. Und es sah am Anfang auch richtig gut aus.  

Reporter

Sie antworten nicht auf meine Frage. Sagen Sie mir bitte, was Sie mit der Forderung, Steine zu Brot zu machen, erreichen wollten.  

Teufel

Da war ich doch gerade. Wie gesagt: Es sah am Anfang recht gut aus. Jesus hatte 40 Tage und Nächte gefastet und das auch noch freiwillig. Da kommen bei jedem Fragen hoch: Was soll das eigentlich? Warum mache ich das? Will Gott das wirklich? Warum nicht das Leben genießen? Und als diese Fragen auch in Jesus hochkamen, da war meine Stunde gekommen. Ich musste es einfach versuchen.  

Reporter

Und wie hat Jesus darauf reagiert? Seine Bedürfnisse zu befriedigen ist doch nichts Schlechtes. Wir brauchen doch alle Nahrung zum Leben.  

Teufel

Genau. Das war ja mein Plan. Keiner, auch Gott, hat nichts dagegen, dass die Menschen ein gutes Leben haben. Das hat Jesus ja auch zu gegeben. Immerhin sage er, dass der Mensch nicht nur - also doch auch - vom Brot lebt. Doch dann hat er mich durchschaut. Er sagte dann weiter: Der Mensch braucht mehr. Er braucht auch etwas für seine Seele. Er braucht das Wort Gottes.  

Reporter

Jesus mit dem Essen zu ködern hat also nicht geklappt. Wie haben Sie es dann weiter versucht?  

Teufel

Ich habe es mit der Eitelkeit versucht. Eitelkeit ist meine liebste Sünde. Da sind eigentlich alle Menschen zu packen. Jeder Mensch möchte etwas besonders sein. Jeder möchte mal im Mittelpunkt stehen. Jeder möchte mal ein Superstar sein. Sie brauchen nur mal ein wenig Fernsehen zu schauen, z. B. in Deutschland. Seit Jahren gibt es da das Sendeformat: "Deutschland sucht den Superstar." Und dort geht es vor allem um die Eitelkeit.  

Reporter

Jetzt verstehe ich. Sie wollten Jesus verleiten, den Superman zu spielen. Das haben Sie also mit der Forderung gemeint, dass Jesus sich von der Tempelzinne hinabstürzen sollte. Und in der Tat, von einem Mann, der von Engeln auf Händen getragen wird, hätte man Jahrzehnte, ach was sag ich, Jahrhunderte lang erzählt.  

Teufel

Und ich wäre am Ziel angekommen. Jesu ganzer Auftrag wäre nämlich den Bach runtergegangen. Wäre er gesprungen, hätte Gott ihn auffangen müssen. Damit hätte Gott gemacht was ich wollte.  

Reporter

Aber auch auf die Eitelkeit ist Jesus nicht hineingefallen. Was haben Sie dann versucht?  

Teufel

Ich habe meine größte Waffe hervorgeholt. Das Spielen mit der Macht. Alle Reiche der Welt habe ich ihm angeboten. Und das nur für eine einzige kleine Geste. Er hätte nur ein einziges Mal vor mir niederfallen müssen. Aber er hat es nicht getan. Er hat mir sogar eine Abfuhr erteilt, die selbst mir weh getan hat. Ohne mit mir überhaupt zu diskutieren, hat er mein Angebot abgelehnt.  

Reporter

Also ist es nie wirklich zu einen Gespräch Jesu mit Ihnen gekommen.  

Teufel

Das kann man wohl sagen. Aber es gibt ja noch andere, die ich mit dem Konsum, mit der Eitelkeit und mit dem Reiz der Macht von ihrem Lebensweg abbringen kann.