Schulung aller Ehrenamtlichen der Kinder- und Jugendarbeit

Schulung aller Ehrenamtlichen der Kinder- und Jugendarbeit


# Prävention - St. Cäcilia
Veröffentlicht am Montag, 11. März 2019, 11:47 Uhr
© EBO Berlin

Eine Studie zum Ausmaß des Missbrauchs von Kindern in der katholischen Kirche, ein großer Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan, aber auch die berechtigten Sorgen von Eltern, die ihre Kinder in die Obhut kirchlicher Kinder- und Jugendarbeit geben, dies alles bestimmt die Diskussion in und über die katholische Kirche. Das Unrecht und Leid können wir nicht ungeschehen machen. Aus den Fehlern der Vergangenheit wollen und müssen wir aber für die Gestaltung der Zukunft lernen  auch in unserer Gemeinde. Der Schutz der Kinder, Jugendlichen und Schutzbefohlenen ist oberste Leitlinie unseres Handelns. Seit dem letzten Jahr entwickelt eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Kirchenvorstandes Verhaltenskodex und Schutzkonzept für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen sowie erwachsenen Schutzbefohlenen. Schnell war das große und wesentliche Ziel der Präventionsarbeit formuliert: Wir übernehmen Verantwortung für die Kinder, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen unserer Gemeinde. Im Geiste des Evangeliums wollen wir ihnen einen sicheren Lern- und Lebensraum bieten, in dem die menschliche und geistliche Entwicklung gefördert wird, wir wollen die Würde und Integrität achten und eine Kultur der Achtsamkeit leben. Wir treten entschieden dafür ein, Kinder vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Bereits sexualisierte Grenzverletzungen zerstören das Klima des Vertrauens, das jeder in unserer Gemeinde vorfinden soll. Denn wir streben für St. Cäcilia eine Haltung der gegenseitigen Wertschätzung, der Transparenz, der positiven Zuwendung und des gegenseitigen Respekts an.

Erste praktische Schritte folgten: das Haus St. Georg ist inzwischen komplett mit Bewegungsmeldern ausgestattet; nicht einsehbare, einschüchternde und Angst machende dunkle Ecken gibt es nicht mehr. Mieter und Nutzer des Hauses St. Georg wurden schriftlich informiert, dass wir dem Präventions – Gedanken eine besondere Bedeutung beimessen: jeder Nutzer ist gehalten, sich ausschließlich in den Räumlichkeiten aufzuhalten, die für die jeweilige Nutzung angemietet sind und nicht das ganze Haus zu inspizieren. Ein besonderer Baustein in der Präventionsordnung aber ist die Teilnahme an einer Schulung, wie wir sie in Zusammenarbeit mit dem Präventionsbeauftragten des Erzbistums, Herrn Burkhard Rooß am 19. Januar hier in St. Cäcilia anbieten konnten.

Und wirklich und wahrhaftig alle ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit unserer Gemeinde einschließlich der Pfadfinderleiter, insgesamt also dreißig Menschen ließen sich einladen. Die Schulung vermittelte konkretes Wissen und Handlungskompetenz im Umgang mit sexualisierter Gewalt: so gab es wertvolle Informationen zu Täterstrategien, Zahlen und Fakten zum Ausmaß sexualisierter Gewalt in unserer Gesellschaft, gesetzliche Grundlagen. Vor allem aber konnten die Teilnehmer anhand lebensnaher Fallbeispiele ihre eigene Sensibilität schärfen und so eine Kultur der Achtsamkeit leben und die dafür notwendige innere Haltung stärken. Der Austausch, die Diskussion, der Perspektivwechsel wurden von den allermeisten Teilnehmern sehr geschätzt. Besonderer Dank gebührt den Jugendlichen, die sich bereitgefunden haben, sich mit diesen schmerzlichen und schwierigen Inhalten zu konfrontieren. Und ganz besonderer Dank gebührt all den Teilnehmern, die an eigene Erlebnisse oder solche Nahestehender erinnert wurden und sich diesem Schmerz stellten. Dass sich alle Ehrenamtler zum Schutz der Kinder auf den Weg gemacht haben, dass sie alle Kinder stark machen wollen, das kann zuversichtlich stimmen angesichts der Situation unserer Kirche. In den kommenden Wochen benennt der Kirchenvorstand eine vom Bistum ausgebildete Präventionsbeauftragte, vor allem aber beschließt und veröffentlicht er den Verhaltenskodex und das Schutzkonzept für St. Cäcilia und geht weiter unbeirrt den Weg, Kinder zu schützen und zu stärken.

Text: Imina Schopper