Bericht zum Stand der Bemühungen um Prävention von sexualisierter Gewalt in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Bericht zum Stand der Bemühungen um Prävention von sexualisierter Gewalt in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen


# Prävention - St. Cäcilia
Veröffentlicht am Montag, 11. März 2019, 11:30 Uhr
© EBO Berlin

Die Studie zum sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche bestimmt derzeit die Diskussion in und über unsere Kirche. Das Unrecht und Leid können wir nicht ungeschehen machen. Aus den Fehlern der Vergangenheit müssen wir aber für die Gestaltung der Zukunft lernen – auch in unserer Gemeinde. Der folgende Bericht des Kirchenvorstandes zeigt auf, ob und wie wir als Gemeinde St. Cäcilia uns um eine spürbare Verbesserung bemühen.

Das Erzbistum Berlin hat sich Leitlinien zur Prävention von sexualisierter Gewalt in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gegeben und fordert alle Gemeinden und kirchlichen Institutionen auf, ein Schutzkonzept zu entwickeln und sich einen verbindlichen Verhaltenskodex zu geben.

Bereits seit Monaten befasst sich eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Kirchenvorstandes mit dieser Aufgabe. Hilfreiche Anleitung finden wir in den bistumsweiten Leitlinien zur Prävention und in zahlreichen Arbeitsmaterialien, die das Bistum zur Verfügung stellt.  An dieser Arbeitsgruppe nehmen nicht nur erwachsene Vertreter aus der Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde teil: wir konnten auch drei Jugendliche zur Mitarbeit gewinnen, die ihre Perspektive deutlich einbringen. In Pfarrer Karlson finden wir stets einen kompetenten und verständnisvollen Ansprechpartner und tatkräftigen Unterstützer für das Anliegen einer wirkungsvollen Prävention.

Wir haben begonnen mit einer gründlichen Analyse der Risiken, die unsere Räumlichkeiten, aber auch unsere Strukturen bieten: Welche Möglichkeiten und Gelegenheiten hat ein möglicher Täter in St. Cäcilia? Sind wir in der Lage zu erkennen, wenn uns ein missbrauchtes, ein verletztes Kind gegenübersteht? Gibt es jemanden, an den unsere Kinder und Jugendlichen sich wenden können, wenn sie sich mit einer Situation unwohl fühlen? Wissen unsere Kinder überhaupt, dass sie sich wehren und sich melden dürfen, ja sollen?

Diese und ähnliche Fragen beschäftigen uns. In unsere Überlegungen beziehen wir immer die Bewohner des Hauses St. Norbert als erwachsene Schutzbefohlene mit ein.

Schnell war uns das große und wesentliche Ziel der Präventionsarbeit klar:  Wir übernehmen Verantwortung für die Kinder, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen unserer Gemeinde. Im Geiste des Evangeliums wollen wir ihnen einen sicheren Lern- und Lebensraum bieten, in dem die menschliche und geistliche Entwicklung gefördert wird, wir wollen die Würde und Integrität achten und eine Kultur der Achtsamkeit leben. Wir treten entschieden dafür ein, Kinder, Jugendliche und erwachsene Schutzbefohlene vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Bereits sexualisierte Grenzverletzungen zerstören das Klima des Vertrauens, das jeder in unserer Gemeinde vorfinden soll. Wir streben für St. Cäcilia eine Haltung der gegenseitigen Wertschätzung, der Transparenz, der positiven Zuwendung und des gegenseitigen Respekts an auch im Umgang der Helfer untereinander.

Große Worte, doch wo sind die Taten?

Erste Konsequenzen konnten wir bereits umsetzen.

  • Der Kirchenvorstand hat das ganze Haus St. Georg mit Bewegungsmeldern ausgestattet. Nicht einsehbare, einschüchternde und Angst machende dunkle Ecken gibt es nicht mehr.
  • Unsere Mieter und Nutzer des Hauses St. Georg haben wir in einem Brief informiert, dass wir dem Präventions-Gedanken eine besondere Bedeutung beimessen: jeder Nutzer ist gehalten, sich ausschließlich in den Räumlichkeiten aufzuhalten, die für die jeweilige Nutzung angemietet sind und nicht das ganze Haus zu inspizieren.
  • Besonders wichtig ist uns folgende Regelung: Jede Person, die sich in St. Cäcilia in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert, kann dies nur dann beginnen oder fortsetzen, wenn sie 1. ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegt und wenn sie 2. an einer Präventionsschulung teilnimmt, wie wir sie in Zusammenarbeit mit dem EBO am 19.01.2019 hier in St. Cäcilia anbieten. Diese Schulung dient dazu, Wissen und Handlungskompetenz im Umgang mit sexualisierter Gewalt zu vertiefen und eine Kultur der Achtsamkeit zu etablieren. Die dafür notwendige innere Haltung soll auf allen Ebenen entwickelt und gestärkt werden. Schulung und Führungszeugnis sind alle fünf Jahre zu erneuern. Überprüfung und Dokumentation übernimmt zunächst der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates.

Da die öffentlichen Sanitärräume gemeinschaftlich genutzt werden, sind die Nutzer aufgefordert, die Intimsphäre insbesondere der Kinder zu wahren und ihnen mit respektvoller Rücksicht zu begegnen.

Die Nutzer sind informiert, dass wir jede Grenzverletzung sehr ernst nehmen, bei Verdacht auf sexuelle Übergriffe und sexuellen Missbrauch handeln wir konsequent und unverzüglich entsprechend der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz.

Die nächsten Schritte werden sein:

  • Auf der Grundlage des Gesagten beschließt der Kirchenvorstand einen verbindlichen Verhaltenskodex. All diese Überlegungen münden dann in ein Schutzkonzept für den gesamten zukünftigen Pastoralen Raum.
  • Wir wollen einen Präventionsbeauftragten ernennen, der die Einhaltung der Strukturen zur Prävention im Blick hat. Ein entsprechender Ausbildungskurs des EBO bereitet auf diese Aufgabe vor.
  • Wir wollen zwei Vertrauens – Obleute benennen, an die sich Betroffene ohne Scheu wenden können.
  • In allen Räumen, in denen Jugendarbeit stattfindet, sollen Beschwerdemöglichkeiten und –regeln, auch die grundsätzliche „Erlaubnis“ zur Beschwerde kind-, bzw. jugendgerecht transparent gemacht werden.
  • Wir wollen das Thema Prävention von sexualisierter Gewalt in unserer Gemeinde aus dem Tabu holen und in der gemeindlichen Debatte immer wieder ins Bewusstsein holen.

Der Kirchenvorstand und die AG Prävention möchten alle Mitglieder der Gemeinde St. Cäcilia herzlich einladen, sich mit Ihren Gedanken, Erfahrungen, Ideen in die Debatte einzubringen. Nur so kann ein Schutzkonzept entstehen, das möglichst alles im Blick hat.

Text: Kirchenvorstand - St. Cäcilia